Die Heiligen und heiligenden Mysterien
Als der Herr auf die Erde kam, öffnete er den Menschen den Weg zum Himmel. Als er in den Himmel zurückkehrte, ließ er diesen Weg offen – den Weg der heiligen Mysterien. Der heilige Nikolaos Kabasilas schreibt: „Als der Herr zu uns kam, zeichnete er den Weg der Heiligen Mysterien vor und öffnete diese Tür, indem er in die Welt eintrat. Und als er zum Vater zurückkehrte, konnte er es nicht ertragen, sie geschlossen zu sehen. Stattdessen kommt er erneut durch diese Tür von seinem Vater, um unter den Menschen zu wohnen" [vgl. Mt 28,20].
Die Mysterien sind die von Gott eingesetzten sakramentalen Handlungen der Kirche. Durch sie wird den Gläubigen die unsichtbare Gnade Gottes durch sichtbare Zeichen vermittelt. Sie werden Mysterien genannt (vom griechischen „mysterion“, abgeleitet von „myo“, was „die Augen oder den Mund schließen“ bedeutet), weil sie vom menschlichen Verstand nicht erfasst werden können und weil Nichtgläubigen die Teilnahme an ihnen nicht gestattet ist. Seit dem 13. Jahrhundert erkennt die Kirche offiziell sieben Mysterien an, die den sieben Gaben des Heiligen Geistes entsprechen. Diese Mysterien sind: die Heilige Taufe, die (Myron)Salbung, die Göttliche Liturgie, die Beichte, die Weihe, die Ehe und die Heilige Ölung.
Die Heiligen Mysterien haben einen doppelten Charakter. Sie sind zugleich unsichtbar und sichtbar, geistig erfassbar und sinnlich wahrnehmbar, da die Menschen, die an ihnen teilnehmen, aus Geist und Leib bestehen. Das unsichtbare Element der Mysterien ist die Gnade des Heiligen Geistes, die die Seelen und Leiber der Gläubigen auf verschiedene Weise heiligt. Das sichtbare Element, Wein, Wasser, Öl usw., ist in jedem Mysterium unterschiedlich.
Bei der Feier der Heiligen Mysterien wird alles durch die heilende Gnade des Heiligen Geistes vollbracht. Sie ist eine Gabe, die der Paraklet den Christen schenkt. Dennoch ist die geistliche Mitwirkung der Gläubigen notwendig, die am Mysterium teilnehmen, damit sie die Heiligung und Gnade Gottes empfangen können. Außerdem ist für die Gültigkeit der Mysterien erforderlich, dass sie von einem Bischof oder Priester vollzogen werden, der kanonisch geweiht ist. Erst dann wird der Zelebrant zum Werkzeug Gottes bei ihrer Feier.

Das Mysterium der Beichte
Die Umkehr ist die Rückkehr des Menschen zu Gott. Sie ist die Umwandlung des Geistes aus der Finsternis der Sünde in das Licht Christi.
Am Anfang dieses Weges steht „die Erkenntnis unserer Verfehlungen, die uns die Möglichkeit eröffnet, die göttliche Barmherzigkeit anzuziehen. Aus diesem Grund spricht der Prophet David zu Gott: Gott, sei mir gnädig, ... denn ich erkenne meine bösen Taten" (Ps. 50, 1.3). Wir erkennen, dass wir für unseren Zustand verantwortlich sind und bitten demütig um
Gottes Erbarmen.
Die reumütige Seele vergießt tiefempfundene Tränen und bittet den liebevollen Christus inständig: Beuge dich dem Klagen meines Herzens. Daraufhin erfährt der Mensch das Ausmaß der göttlichen Nachsicht. Die Umkehr, ist die Heilung der Wunden der Sünde. Die heilige Beichte, ist das Mysterium, durch das die Umkehr des Menschen vollendet wird.
Um unserem Geistlichen Vater unsere Sünden bekennen zu können, müssen wir uns ihrer bewusst werden und unseren geistlichen Weg im Hinblick auf drei grundlegende Achsen überprüfen: I) unsere Beziehung zu Gott, II) unsere Beziehung zu unserem Nächsten und III) unsere Beziehung zu uns selbst. Durch das heilige Mysterium der Beichte treten wir Christus näher, bekennen unsere Sünden und erflehen seine Barmherzigkeit. Er schenkt uns nicht nur Vergebung, sondern auch seinen Frieden, wie er selbst verheißt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“ (Joh 14,27)

Das Mysterium der Trauung
Im Mysterium der Trauung empfängt das Brautpaar den Segen und die Gnade Christi. Mit der Kraft dieser geistlichen Mittel ist das Paar aufgerufen, in das Meer des Lebens einzutauchen und alle Schwierigkeiten, die sich ihm auf seinem gemeinsamen Weg stellen, durch die Tugend der Liebe zu besiegen. In den wahrhaft christlichen Familien, die heute recht selten geworden sind, aber glücklicherweise dennoch existieren, herrschen Liebe und Eintracht. In solchen Familien sind die Kinder die Frucht der Liebe ihrer Eltern und die Quelle ihrer Freude; und die Fülle der Liebe, in der die Kinder geboren und erzogen werden, gibt ihnen alle geistlichen Voraussetzungen für ihr künftiges Leben.

Das Mysterium der Taufe
Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. (Gal 3, 27) Jesus Christus hat durch seine Menschwerdung, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung die menschliche Natur wiederhergestellt. Jeder Mensch, der an ihn glaubt und sich durch die heiligen Mysterien mit ihm verbindet, wird von der Sünde befreit und in die Gemeinschaft mit Gott zurückgeführt. Das erste Mysterium, das der Herr uns geschenkt hat, ist die Heilige Taufe. Als Christus auf die Erde kam, „kam die Herrschaft des Lebens … und eine andere Geburt fand statt, ein anderes Leben, eine andere Form der Existenz … Der Glaube ist der Schoß, der dieses Leben empfängt und durch die Wiedergeburt der Taufe offenbart“ (hl. Gregor von Nyssa). Mit der Taufe beginnt folglich das Leben in Christus, das wahre Leben des Menschen, der zuvor durch die Sünde tot war. Obwohl der Körper weiterhin in dieser vergänglichen Welt verweilt, befindet sich seine Seele nun im Paradies, wie unser Vorvater Adam.
Christus bezeichnet die Taufe als Geburt: Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen ( Joh 3, 5). Folglich ist „die Heilige Taufe der Anfang des Lebens“ (hl. Basilios der Große) und der Tag der Taufe der Geburtstag des Gläubigen.
