Totenandachten
WICHTIG:
Wir bitten die Gläubigen, anfallende Totenandachten spätestens eine Woche vor der Andacht persönlich bei der Diakonie unserer Gemeinde nach einem sonntäglichen Gottesdienst anzumelden.
Wesen und Ursprung der Totenandachten
Totenandachten (Μνημόσυνα) sind fest verankerte liturgische Handlungen der Orthodoxen Kirche, die dem Gebetsgedenken der Verstorbenen dienen. Ihr Ursprung reicht bis in die frühchristliche Zeit zurück. Bereits die ersten Christen beteten regelmäßig für die Entschlafenen; darauf verweisen frühkirchliche Autoren wie Tertullian, Cyprian, Augustinus, Dionysios der Areopagit, Gregor von Nazianz, Johannes Chrysostomos und Gregor von Nyssa.
Seit byzantinischer Zeit ist diese Praxis in klaren liturgischen Ordnungen festgeschrieben und bis heute lebendig geblieben.
Formen des orthodoxen Totengedenkens
Das orthodoxe Totengedenken kennt zwei grundlegende Formen:
Das Trisagion
Das Trisagion wird am Grab oder auch unabhängig davon gebetet.
Es wird traditionell gefeiert:
• am 3. Tag nach dem Tod (Τριήμερα),
• am 9. Tag nach dem Tod (Εννιάμερα),
wobei der Todestag selbst mitgezählt wird.
Diese Tage sind theologisch symbolisch gedeutet:
• der 3. Tag steht im Zusammenhang mit der Auferstehung Christi,
• der 9. Tag mit den neun Engelchören.
Die Gedenkandacht in der Kirche (Ἐπιμνημόσυνη δέηση)
Die feierlichere Gedenkandacht wird in der Kirche nach der Göttlichen Liturgie, meist unmittelbar vor der Entlassung, gefeiert. Sie findet statt:
• am 40. Tag (Σαράντα),
• nach drei Monaten,
• nach sechs Monaten,
• nach neun Monaten,
• jährlich.
Eine besondere Bedeutung hat das Dreijahresgedächtnis, das in vielen Regionen mit einer Exhumierung verbunden ist, sofern diese erforderlich oder üblich ist.
Kolliva – Symbolik und Bedeutung
Untrennbar mit den orthodoxen Totenandachten verbunden ist das Austeilen von Kolliva.
Sie bestehen aus gekochtem Weizen, Rosinen, Nüssen und weiteren Zutaten und werden sowohl bei der Beerdigung als auch bei Gedenkfeiern verteilt.
Kolliva heißen auch „συγχώρια“, da jeder, der sie empfängt, für den Verstorbenen betet und spricht:
„Θεός συγχωρέστον“ – „Gott möge ihm/ihr vergeben“.
Der Weizen ist ein starkes Symbol für Tod und Auferstehung, gemäß dem Wort Christi vom Weizenkorn, das stirbt, um Frucht zu bringen.
Die Seelensamstage (Ψυχοσάββατα)
Von besonderer Bedeutung sind die Ψυχοσάββατα (Seelensamstage).
Die Orthodoxe Kirche kennt offiziell zwei allgemeine Seelensamstage:
• den Samstag vor dem Sonntag der Fleischverzichtszeit (Apokreo),
• den Samstag vor dem Pfingstsonntag.
An diesen Tagen gedenkt die Kirche feierlich aller Verstorbenen,
„die in der Hoffnung auf die Auferstehung des ewigen Lebens entschlafen sind“ –
von Königen und Patriarchen über Kleriker und Mönche bis hin zu allen Vorfahren, Verwandten und Gläubigen von Anbeginn der Zeit.
Die Ordnung dieser Gedenktage ist im Typikon der Kirche festgelegt.
Theologischer Sinn der Seelensamstage
Die Einführung der Seelensamstage ist eng mit der orthodoxen Auferstehungshoffnung verbunden. Sie erinnern daran, dass der Leib bei der Wiederkunft Christi auferweckt und mit der unsterblichen Seele vereint werden wird.
Der tiefere Grund für die Einsetzung des ersten Seelensamstags liegt darin, dass viele Menschen im Laufe der Geschichte ohne ein persönliches, geordnetes Totengedenken verstorben sind:
in jungen Jahren, in der Fremde, auf See, in Kriegen, in Bergen und Schluchten oder in Armut.
Aus pastoraler und menschenfreundlicher Sorge bestimmten die heiligen Väter daher ein allgemeines Gedächtnis für alle seit Anbeginn fromm entschlafenen Christen, damit niemand vom Gebet der Kirche ausgeschlossen bleibt.
Gebet, Opfer und Barmherzigkeit
An den Seelensamstagen ruft die Kirche den Lebenden zugleich die Erinnerung an den Tod ins Bewusstsein. Die Gläubigen kommen mit Kollyva in die Kirchen und besuchen die Friedhöfe, getragen vom Anliegen des Gebets für die Entschlafenen und vom Vertrauen auf das unendliche Erbarmen Gottes.
Dieses Gebet geschieht konkret:
• durch Kerzen,
• durch Öl,
• durch Weihrauch,
• durch die Göttliche Liturgie,
• durch Werke der Barmherzigkeit.
Zeugnis der Kirchenväter
Die Überlieferung verweist auf die Worte des hl. Athanasios des Großen, der die Gläubigen ermahnt, nicht darauf zu verzichten, Öl darzubringen und Kerzen am Grab zu entzünden, Christus anzurufen und für den Verstorbenen zu beten – selbst dann, wenn dieser fromm gelebt habe.
Kerze und Öl gelten als Gott wohlgefällige Opfer; die Göttliche Liturgie aber als Fürbitte von größter Kraft. Gute Werke, im Glauben dargebracht, bleiben nicht ohne Frucht.
Stellvertretendes Gebet und geistliche Gemeinschaft
Die Tradition vergleicht das Gebet für einen Entschlafenen mit dem Handeln von Eltern für ein krankes Kind:
So wie diese stellvertretend Kerzen, Öl und Weihrauch darbringen, so wird auch der Verstorbene betrachtet, als ob er selbst das Darbringen vollziehe – ähnlich wie beim Taufritus der Pate im Namen des unmündigen Kindes handelt.
Wer im Glauben an Christus entschlafen ist, gilt daher als innerlich beteiligt an allem, was für sein Heil dargebracht wird.
Ursprung der Kollyva-Tradition
Der Brauch der Kollyva wird mit einem Wunder des hl. Theodoros des Rekruten verbunden. Zur Zeit Kaiser Julians des Abtrünnigen erschien der Heilige und wies die Christen an, gekochten Weizen zu verwenden, um sich nicht an kultisch verunreinigter Speise zu beteiligen.
Daraus entwickelte sich ein bis heute lebendiger Brauch, besonders am Seelensamstag der hl. Theodoren (erster Samstag der Großen Fastenzeit).
So zeigen orthodoxe Totenandachten bis heute, dass der Tod nicht als Abbruch der Gemeinschaft verstanden wird. Sie sind Ausdruck der fortdauernden Liebe der Kirche, der Hoffnung auf die Auferstehung des Leibes bei der Wiederkunft Christi und der Gewissheit, dass kein Gebet, das im Glauben dargebracht wird, vor Gott verloren geht.
WICHTIG:
Wir bitten die Gläubigen, anfallende Totenandachten spätestens eine Woche vor der Andacht persönlich bei der Diakonie unserer Gemeinde nach einem sonntäglichen Gottesdienst anzumelden.
