Die Orthodoxe Kirche

Wie die Propheten sahen, wie die Apostel lehrten, wie die Kirche übernahm, wie die Lehrer in Dogmen darlegten, wie die gesamte Christenheit übereinstimmend geglaubt hat, wie die Gnade leuchtete, wie die Wahrheit bewiesen wurde, wie die Lüge beseitigt wurde, wie die Weisheit freimütig bekundet wurde und wie Christus bestätigt hat; so glauben wir, so sprechen wir …
Dies ist der Glaube der Apostel; dies ist der Glaube der Väter; dies ist der Glaube der Orthodoxen; dies ist der Glaube, der die Ökumene gefestigt hat.
(Synodikon [Synodalschreiben] des Heiligen und 7. Ökumenischen Konzils, Sonntag der Orthodoxie, Orthros.)


Die Orthodoxe Kirche

 

        Die Orthodoxe Kirche ist die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Sie ist der heilige Leib Christi (1 Kor 12,27). Christus selbst ist das Haupt dieses Leibes, und alle, die durch die Taufe zu Christen geworden sind, sind seine Glieder. Die Kirche wird gebildet von allen Getauften, die in eucharistischer Gemeinschaft stehen: Laien, Klerus und Mönche, vereint um ihren Bischof; gemeinsam der eine Leib Christi.


        Diese eine Kirche Christi verwirklicht sich konkret in den autokephalen orthodoxen Ortskirchen, die im gleichen Glauben, in der gleichen Mysterien- und eucharistischen Gemeinschaft stehen. Jede Ortskirche ist in der Feier der Eucharistie ganz Kirche, ohne von den anderen getrennt zu sein. Wir sprechen beispielsweise von der Kirche von Korinth, von Smyrna usw., aber alle bilden wir die eine Kirche Christi (Siebtes Ökumenisches Konzil). Wenn der Apostel Paulus die Kirche als den Leib Christi bezeichnet, macht er damit die unauflösliche Verbindung zwischen Christus und den Gläubigen sichtbar und offenbart zugleich das Mysterium der Einheit der Kirche: Die Kirche ist der Leib Christi, dessen Haupt Christus ist.


        Die Kirche ist Gottes Ackerfeld und Gottes Bau (1 Kor 3, 9), die Braut des Lammes (Offb 21, 9;  22, 17), das geistliche Haus,… das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, der heilige Stamm, das Volk Gottes (1 Petr 2, 5. 9–10) und das Haus Gottes (1 Tim 3, 15). Von all diesen Namen bringt keiner die Wirklichkeit der Kirche besser zum Ausdruck als dieser: Die Kirche ist der Leib Christi. Die Gläubigen der ganzen Welt, die sind, die waren und die sein werden, bilden einen Leib, das heißt die Kirche, bis zur Wiederkunft des Herrn. Die Kirche umfasst jene, die heute leben, jene, die vor uns gelebt haben, und jene, die nach uns leben werden. Die Kirche besteht aus der kämpfenden und der triumphierenden Kirche. Zur kämpfenden Kirche gehören alle, die den guten Kampf kämpfen (vgl. 1 Tim 1, 18) und sich bemühen, während ihres Lebens auf Erden in Christus zu leben. Die triumphierende Kirche besteht aus jenen, die im Herrn entschlafen sind und nach dem Sieg ihres Kampfes auf Erden die Freude des Reiches vorgekostet haben. Zusammen bilden sie eine Gemeinschaft in Christus, die Versammlung der Heiligen.

 

 

Das Leben der Orthodoxen Kirche

 

        Bei der Kreuzigung des Herrn stieß einer der Soldaten mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus (Joh 19, 34). Das aus der Seite Christi hervorströmende Blut und Wasser versinnbildlichen die Heilige Taufe und die Göttliche Eucharistie. Aus diesen beiden Mysterien wurde die Kirche geboren (vgl. Tit 3,5). So wie Eva aus der Seite Adams geschaffen wurde (vgl. Gen 2, 22), schuf Christus die Kirche aus seiner Seite.


        Diejenigen, die Christus durch die Heilige Taufe gezeugt hat, nährt er mit sich selbst. Wir Gläubigen werden mit dem heiligen Leib Christi genährt und sind so der eine Leib Christi geworden. Die Kirche wurde der Welt am Tage von Pfingsten offenbar, als die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Erlösers erschien und er uns durch die Erneuerung im Heiligen Geist rettete, den er reichlich über uns ausgegossen hat durch Jesus Christus, unseren Erlöser (vgl. Tit 3, 4–6). Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt (Apg 2, 41). Der Heilige Geist hält die ganze Einrichtung der Kirche zusammen. Die Beschlüsse des Apostelkonzils und der ökumenischen Konzilien wurden unter der Erleuchtung des Heiligen Geistes gefasst und mit den Worten eingeleitet: Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen (Apg 15, 28). Wie der heilige Johannes Chrysostomos lehrt: Wenn der Heilige Geist nicht gegenwärtig wäre, wäre die Kirche nicht gegründet worden; da aber die Kirche existiert, ist es offensichtlich, dass der Heilige Geist gegenwärtig ist.


        Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen (1 Kor 12, 13). Derjenige, der die Kirche gebildet hat, ist einer, und das, wozu er sie gebildet hat, ist eines.

 

 

Was die Orthodoxe Kirche bekennt

 

Die Orthodoxe Kirche ist eine; heilig, katholisch und apostolisch.

 

        Die Kirche ist eine, weil sie der heilige Leib Christi ist, des einen Heiligen. Die Vielen sind ein Leib, und in dem einen Leib sind die Vielen. Auch wenn die Göttliche Liturgie an vielen Orten gefeiert wird, ist Christus, der dargebracht wird, einer und ungeteilt, und daher ist auch seine heilige Kirche eine und ungeteilt.


        Diese eine Kirche ist die Orthodoxe Kirche, die den Glauben, den Gottesdienst und das geistliche Leben bewahrt, wie sie von den heiligen Aposteln überliefert wurden, und weder Abzug noch Veränderung noch Hinzufügung zulässt. Christus betete zum Vater um die Einheit der Kirche: Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein (Joh 17, 21). Die Gläubigen bewahren die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens: Ein Leib und ein Geist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist (Eph 4, 3–6).

 

Heilig

 

        Die Kirche ist heilig, weil ihr Haupt Christus ist, der einzig wahrhaft Heilige. Christus liebte die Kirche und gab sich für sie hin, um sie zu heiligen und heilig und makellos darzustellen (Eph 5, 25–27). Die Kirche ist Gottes würdig und mit Heiligkeit geschmückt. Die Heiligkeit der Kirche bedeutet jedoch nicht, dass alle ihre Glieder heilig sind. Zusammen mit den Heiligen umfasst sie auch die Sünder und die Schwachen. Weizen und Unkraut wachsen gemeinsam auf demselben Feld (Mt 13, 24–30), bis zur Ernte, das heißt bis zur Wiederkunft Christi.


        Christus ist die Quelle der Heiligkeit und heiligt die ganze Kirche. Diejenigen, die das Gefäß ihrer Seele und ihres Leibes rein bewahren, empfangen die Gabe seiner Heiligkeit.

 

Katholisch

 

        Die Kirche wird katholisch (gr.: allumfassend, das Ganze betreffend, allgemein, durchgängig) genannt, weil sie die Wahrheit, die Christus ist, vollständig und in ihrer Gesamtheit besitzt. Wo Jesus Christus ist, dort ist die katholische Kirche (hl. Ignatius, der Gotttragende).
 

        Die Kirche ist katholisch, weil sie sich über die ganze Welt erstreckt, weil sie alle Lehren über Sichtbares und Unsichtbares, Himmlisches und Irdisches lehrt, weil sie alle Arten von Menschen dem wahren Glauben zuwendet, weil sie jede Art von Sünde heilt und weil sie jede Form der Tugend und jede Art geistlicher Gabe in sich besitzt.  Sie umfasst alle Nationen und heiligt alle Zeiten: Geht hin und macht alle Völker zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes (Mt 28,19). Ich will deines Namens gedenken von Geschlecht zu Geschlecht (Ps 44,18).

 

Apostolisch

 

        Die Kirche ist apostolisch, weil sie auf dem Fundament der Apostel und Propheten erbaut ist, wobei Jesus Christus selbst der Eckstein ist (Eph 2,20). Die Apostel sind die Säulen der Kirche, die den gemeinsamen Leib der Kirche tragen und stützen. Die Kirche bewahrt den Glauben, wie sie ihn von den heiligen Aposteln empfangen hat, und überliefert ihn rein und unverfälscht von Generation zu Generation. Die apostolische Sukzession gewährleistet, dass der kirchliche Dienst unmittelbar von den Aposteln durch die Bischöfe herkommt, gemäß den heiligen Kanones.
 

        Obwohl sie über die ganze Welt verstreut ist, bewahrt die Kirche den Glauben, als ob sie ein einziges Haus bewohnte. Sie glaubt mit einer Seele und einem Herzen und verkündet die Wahrheit überall, so wie die eine Sonne alle Menschen erleuchtet.

 

Unser Leben in der orthodoxen Kirche

 

        Durch die heilige Taufe werden wir in die Kirche aufgenommen, zur Vergebung unserer Sünden. Durch die Taufe werden wir von der Sünde und vom Teufel befreit. Wir empfangen die volle Gnade des Heiligen Geistes und werden als Geschöpfe, die nach dem Bild und dem Gleichnis Gottes geschaffen sind, wiederhergestellt (vgl. Gen 1,26).
 

        Unmittelbar nach der Taufe werden wir mit dem heiligen Myron gesalbt und empfangen das Siegel der Gabe des Heiligen Geistes. Dieses Mysterium ist das persönliche Pfingsten eines jeden Gläubigen. Durch die Teilnahme an der Göttlichen Liturgie und an der Heiligen Kommunion werden wir mit Christus eins und Glieder seiner heiligen Kirche. Wir sind zur Heiligkeit berufen: Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch eure ganze Lebensführung heilig sein (1 Petr 1,15–16; vgl. Lev 20,7). Denen, die nach der Taufe gesündigt haben, wird durch Umkehr und das Mysterium der Beichte der Weg zur Rückkehr eröffnet.
 

        Die Heiligen bewahrten das Bild Gottes, erreichten die Gottähnlichkeit und wurden durch Teilhabe aus Gnade, was Gott von Natur aus ist, eins mit ihm. Unter ihnen nimmt die Allerheiligste Gottesgebärerin einen besonderen Platz ein, als die Allheilige und Ursache der Heiligkeit der Heiligen.
 

        Wir leben in Gemeinschaft mit den Heiligen und ehren sie als Freunde Christi und Glieder desselben Leibes (vgl. 1 Kor 12,26). Ihre Gebete tragen die Kirche, denn sie bitten und flehen für die ganze Welt, als wäre sie ein einziges Haus.
 

        In der Göttlichen Liturgie wird die Gemeinschaft der Heiligen sichtbar. Durch die unzähligen Glieder, die sie gleichsam als Siedler in den Himmel gesandt hat, hat [die Kirche] wahrhaftig das Himmelreich geerbt (Hl. Nikolaos Kabasilas).

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